2019: Zeitlos und authentisch

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Der VDV-Jahresrückblick 2019

Es war eine Teenagerin aus Schweden, die dem Jahr 2019 mit dem Hashtag #FridaysForFuture ihren Stempel aufdrückte. Und die Geodäten? Die vermessen nach wie vor die Welt. Konkrete Maßnahmen brauchen nämlich fundierte Geoinformationen. Und das gilt selbstverständlich auch für Klima und Umwelt. Global wie auch lokal. Ein zeitlos authentischer Rückblick.

Januar

Das Jahr ist gerade zwei Wochen alt, da geht der VDV-Bezirk Hessen-Nord auf eine Zeitreise: 15.000 Jahre Geschichte der Landvermessung. Vorgetragen in gut einer Stunde von Gerd Köhler, dem ehemaligen Leiter der Zentralabteilung im Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation. Ebenfalls auf Reisen geht der magnetische Nordpol. Und zwar schneller als von den Experten berechnet. Also muss das entsprechende Erdmagnet-Modell früher als geplant aktualisiert werden, schließlich liegt es allen modernen Navigationssystemen zugrunde. Derweil gehen die Berliner VDV-Kollegen gemeinsam zum traditionellen Jahresauftakt-Bowling und testen dabei die prognostizierte Magnetabweichung auch gleich in der Praxis. Ob die Zahl der Fehlwürfe allerdings auf geologische denn auf technische Wurf- und Bahnprobleme zurückzuführen ist, ist nicht zu ermitteln. Keine Abweichung hingegen gibt es in einer anderen Tradition: Bereits zum 10. Mal treffen sich die Präsidenten von BDVI, DVW und VDV zur Jahresklausurtagung der InteressenGemeinschaft Geodäsie (IGG). Als größte Herausforderung werden die Nachwuchsgewinnung gesehen, der man sich zwingend gemeinschaftlich stellen muss. Keine einfache Aufgabe, die uns sicherlich noch längere Zeit beschäftigen wird. Aber: wir schaffen das!

Februar

Traditionell auch das jährliche Meeting der Landesvorsitzenden Sachsen-Anhalt von BDVI, DVW und VDV unter Beteiligung des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation sowie der Hochschule Anhalt. Thema – wie könnte es anders sein – der fachliche Nachwuchs. In Nordrhein-Westfalen will indessen die Landesregierung das Promotionsrecht zugunsten der Fachhochschulen ändern. „Richtig so!“, sagt der VDV. Allerdings ruft das den, aus unserer Sicht unbegründeten, Widerstand des „Establishments“ hervor. Wovor haben die eigentlich Angst? Eine fachliche Tür öffnet unterdessen das Kabinett in Brandenburg: Mit der kostenfreien Nutzung von Geobasisdaten wird ein weiterer wichtiger Baustein für Open Data gelegt. Auch dies eine Forderung, die der VDV seit langem propagiert hat.

Mit rund 250 Teilnehmern ist das Gleisbauseminar des VDV-Bildungswerkes erfreulich gut besucht. So etwas erfreut die Organisatoren ebenso wie die Referenten. Und übrigens genau wie die Nordhessen starten auch die Bonner VDV-Kollegen ihre Mitgliederversammlung mit einer Zeitreise und lassen in einer gut gemachten Präsentation die erfolgreiche Bezirksarbeit der vergangenen zwei Jahre Revue passieren. 30 Jahre Rückblick feiert zwischenzeitlich die Bundesingenieurkammer. Gratulation dazu auch vom VDV. Und ein ganz herzlicher Glückwunsch geht an Stella Deetjen, Preisträgerin des Goldenen Lotes 2018: Sie erhält in Frankreich den Umweltpreis Trophée de femmes.

März

Seit nunmehr 70 Jahren gibt es den VDV. „Danke an alle, die aktiv und passiv dazu beigetragen haben. Ohne euch wär‘ alles nichts!“ twittert VDV-Präsident Wilfried Grunau. Stimmt! Gefeiert wird aber im Juni – die Queen macht es uns vor ;). Zahlreiche Veranstaltungen künden auch im März von einem regen Verbandsleben; beispielhaft genannt seien die Landesmitgliederversammlungen in Bremen und Schwerin sowie im Bezirk Soest. Erstere mit einem Fachvortrag zum Bauwerksmonitoring in den bremischen Häfen, letztgenannte wird mit einer Brauereibesichtigung verbunden. Muss auch mal sein. Und am 21. März gibt es zum zweiten Mal den Global Surveyors‘ Day. Initiiert ist dieser weltweite „Feiertag“ von dem Council of European Geodetic Surveyors (CLGE) und dem US-amerikanischen Berufsverband NSPS. Nicht zu vergessen: ein VDV-Urgestein feiert am 9. März seinen 90 Geburtstag: Friedel Pfeifer. Herzlichen Glückwunsch dazu von der gesamten VDV-Familie!

In Schwerte treffen sich währenddessen der Landesvorstand des VDV NRW und die Bezirksvorstände zur zweijährlichen Klausurtagung. Auf der Tagesordnung stehen fachliche wie auch berufspolitische Themen, beispielsweise die Zukunft des Liegenschaftskatasters, die Gebäudeeinmessungspflicht, die Kostenordnung und das Modellprojekt digitales Baugenehmigungsverfahren NRW. Großer Erfolg auch für Burkhard Kreuter: der VDV-Geschäftsführer wird bei den Kammerwahlen in den neuen Vorstand der Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen gewählt. Mit mehr als 10.000 Mitgliedern ist sie die mitgliederstärkste Ingenieurkammer in Deutschland.

April

Die Wochenneuzählung beim GPS-System („GPS Week Rollover“) führt zu Schreckensmeldungen für Navi-Besitzer. Bei aktueller Firmware kann aber nichts passieren. Hintergrund ist eine 10-Bit-Variable, die maximal 1024 Wochen verarbeiten kann, was etwa 20 Jahren entspricht; danach wird sie intern auf 0 gesetzt und zählt von vorn. Künftig soll das GPS-Signal eine 13-Bit-Variable erhalten, heißt: wir haben die nächsten 157 Jahre wahrscheinlich Ruhe. Und aus Nepal kommt die Information, dass der höchste Berg der Welt neu vermessen wird. Damit soll fortdauernden Gerüchten entgegengewirkt werden, der Berg im Himalaya-Gebirge sei geschrumpft. Sehr tragisch hingegen die Nachricht vom Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dank vorhandener hochpräziser Laserscans gibt es aber Hoffnung auf Rekonstruktion. Geodäsie kann auch hier helfen! Derweil tagt im Bundestag in Berlin der Hauptvorstand des Zentralverbandes der Ingenieurvereine (ZBI) unter der bewährten Leitung von Wilfried Grunau und diskutiert mit den Abgeordneten über Digitalisierung, Infrastruktur und Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst. Berufspolitik at its best!

Mai

Potenziale nutzen: Der Spitzenverband für Ingenieurverbände ZBI trägt die Forderung nach dem Promotionsrecht für Fachhochschulen in den Bundestag hinein: „Wir wollen für die FH-Absolventen die gleichen Berufs- und Karrierechancen wie für Uni-Absolventen.“ Allerdings zieren sich die Abgeordneten etwas. Sprich: So richtig befriedigend sind die Antworten leider (noch) nicht. Absolut zufrieden sind hingegen die Organisatoren und Teilnehmer der 14. Konferenz der GeodäsieStudierenden (KonGeos) in Dessau. Können sie auch, denn eine Tagung mit allem was dazu gehört, sprich: Fach- und Rahmenprogramm einschl. Ausstellung und natürlich auch eine Riesenparty zu organisieren, ist wirklich nicht einfach. Danke an Elisabeth Diers und ihr Team! Spitzenleistung!

Wenn sich Geodäten auf Veranstaltungen und Sitzungen treffen, stellt man immer wieder fest, dass es in dieser „Gattung Mensch“ extrem viele Motorradfahrer gibt. Erwähnenswert daher an dieser Stelle die jährliche Rundreise der GEObiker, diesmal in um und durch den Spreewald. Wer mal dabei sein möchte: www.geobiker.org. Und was haben Geodäten sonst noch so als Hobby, wenn sie mal nicht für den VDV aktiv sind? Dieter Klemp, bekannt u.a. durch seine zahlreichen Fachbücher in der VDV-Schriftenreihe, publiziert beispielsweise viel über seinen Heimatort Velbert. Sein aktuelles Buch in dieser Serie handelt vom Glück der Velberter.

Juni

Der VDV-Bundeskongress in Essen steht ganz im Zeichen der 70-Jahr-Feier. Ein tolles Event mit derart vielen Highlights, dass es aufgrund der Materialfülle diesmal drei (!) Ausgaben des VDVmagazins braucht, um darüber zu berichten. „Würde es den VDV nicht geben, dann müssten wir ihn heute gründen“, so Präsident Wilfried Grunau in der Eröffnung. So ist es!

Unter dem Motto „Geodäsie zwischen Quasaren und tiefen Löchern“ besucht der VDV-Bezirk Nürnberg in seiner Exkursion zunächst das Observatorium Wettzell und dann das Kontinentale Tiefbohrprogramm (KTB) in Windischeschenbach. Spannend, wo die Geodäsie überall mitmischt. Für den VDV Bremen/Unterweser heißt es im Juni hingegen „Safety first“. Es wird nämlich der größte private Rettungsdienstleister Deutschlands besichtigt. Indessen unternimmt der VDV Hamburg/Schleswig-Holstein einen Segeltörn zur Kieler Förde, natürlich auch unter der Sicherheitsmaßgabe: Eine Hand für das Schiff, eine Hand für Dich!

Juli

Sicherheit hat auch der Bezirk Wuppertal im Blick: dort steht nämlich eine Tour mit Segways um den Beyenburger Stausee auf dem Plan. Und ohne Helm und Sicherheitseinweisung in das seltsame Gefährt geht das natürlich nicht. Fachlich startet der Juli hingegen mit dem sehr gut besuchten Geodäsiekongress NRW in Düsseldorf. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte hingegen kommt aus Brüssel, wo der EuGH die HOAI in Teilen für rechtswidrig erklärt hat. Und dann fällt auch noch für kurze Zeit das Satellitensystem Galileo aus. Shit happens. Das sagt sich auch der HSV, der seine legendäre Stadionuhr nach dem Abstieg aus der Fußballbundesliga jetzt durch einen Schriftzug mit den Koordinaten des Anstoßpunktes (N 53°35’14“ E 9°53’55“) im Volksparkstadion ersetzt. „Damit rücken wir den Fußball weiter in den Mittelpunkt“, so der HSV bei Twitter. Apropos Mitte: Der geographische Mittelpunkt Nordrhein-Westfalens liegt im Dortmunder Stadtteil Aplerbecker Mark bei N 51°28‘44,2“ E 7°33‘15,7“und ist jetzt mit einem Kunstwerk gekennzeichnet. Und zu Monatsbeginn tritt auch der novellierte „Vertrag über die kontinuierliche Übermittlung amtlicher digitaler Geobasisdaten der Länder zur Nutzung im Bundesbereich“ in Kraft. Dieser erlaubt es allen Einrichtungen des Bundes, digitale Produkte auf der Basis amtlicher Geodaten im Sinne einer offenen Datenpolitik uneingeschränkt weiterzugeben.

August

Sternschnuppen und Mondgestein zum Anfassen hat man auch nicht jeden Tag. (Nicht nur) für die Teilnehmer der Veranstaltung des VDV Osnabrück ist das schon etwas Besonderes. Nach den Sternen greifen: So ähnlich fühlen sich übrigens auch die Vertreter der Ingenieur- und Architektenkammern und der Berufsverbände, die sich mit dem Planen und Bauen befassen. Aufgrund des EuGH-Urteils zur HOAI treffen sich alle in Berlin in einer Sondersitzung zum so genannten Verbändegespräch und versuchen eine neue, rechtssichere HOAI hinzubekommen. Obwohl große Einigkeit darin besteht, die HOAI auch künftig als Regelwerk zu erhalten, ist es eine schwierige Situation, denn die Interessenlagen sind durchaus unterschiedlich. Eine zirkusreife Leistung vollbringen übrigens auch vier junge Artisten die bei den Husumer Hafentagen mit Requisiten aus der Vermessungsbranche für die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein werben. Tolle Idee!

September

Eine Welt ohne Staus. Geht das? Ja, sagt ein Mathematiker der Firma TomTom und erklärt die Macht der Verkehrsdaten. Da passt es, dass die Fraktion der Linken im Bundestag Open Data fordert und als Beispiel u.a. Verkehrs- u. Katasterdaten nennt. Klingt prima. Aber vermutlich kommt wieder irgendjemand mit der DSGVO um die Ecke. Und wäre weniger Individualverkehr vielleicht nicht auch sinnvoll? Die VDVler des Bezirks Düsseldorf „eilen“ anlässlich einer Stadtführung jedenfalls lieber zu Fuß in 90 Minuten durch 1000 Jahre Düsseldorf-Kaiserswerth. Da schmeckt‘s dann hinterher im Brauhaus beim gemütlichen Beisammensein auch gleich viel besser. Beklemmend dann schon eher die Zeitreise, die der Bezirk Westsachsen (Leipzig) unternimmt: Es geht in den nahezu im Originalzustand erhaltenen Stasibunker in Machern. Aber zum Glück ist das Bauwerk – von Übungen einmal abgesehen – nie in Betrieb genommen worden. Auf eine glücklichere Zeit hingegen blickt Hans-Jürgen Wohlleben aus Oberursel zurück, der das 50jährige Firmenjubiläum der Wohlleben GmbH feiern kann. Ihm und auch Klaus Töpfer, Träger des Goldenen Lotes, gratuliert der VDV sehr herzlich. Letztgenannter wird mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Ausgezeichnet läuft übrigens auch die INTERGEO in Stuttgart. Klar, dass der VDV mit dabei ist. Aber ohne unsere Ehrenamtlichen wäre das nicht leistbar. Daher (nicht nur) an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an die Standbesetzung wie auch unser Redaktionsteam!

Oktober

Geodäsie allerorten: Die KonGeoS reist aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Österreich und der Schweiz zur Herbsttagung nach Würzburg, die VDVler aus Sachsen-Anhalt treffen sich in Tangermünde, die aus Baden-Württemberg in Baden-Baden und die aus Niedersachsen in Braunschweig, jeweils zum Landestagung. Währenddessen erforscht in Dresden ein Open Data Camp „Digitale Welten mit Geodaten”. Du ahnst es nicht, sagen sich derweil die Bonner VDV-Kollegen. Dort referiert nämlich Kurt Andrä darüber, wie man mittels Ahnenforschung durch die Familiengeschichte navigieren kann. Genealogie für Einsteiger mit garantiertem Suchtpotenzial. Und sonst? Ach ja, Bundestag und Bundesrat ändern wegen der Grundsteuer das Grundgesetz. Letztlich geht es dort aber „nur“ um Geld. 14 Milliarden Euro waren bislang für Städte und Gemeinde auf der Habenseite zu verbuchen. Wie’s künftig aussieht: abwarten.

November

Der November steht ganz im Zeichen des Goldenen Lotes, ab und an auch schon als der „Oskar der Geodäsie“ bezeichnet. Ausgezeichnet wird Manfred Weisensee, ehemaliger langjähriger wissenschaftlicher Berater des wohl wichtigsten deutschsprachigen Fachmagazins der angewandten Geodäsie (sprich: VDVmagazin) und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie. Indessen sorgt der Bundesrat für ziemliche Irritationen bei Berufsbezeichnungen: Ein Bäcker- oder Elektromeister soll sich künftig auch „Bachelor Professional“ nennen dürfen, ein Betriebswirt „Master Professional“. Alle Ingenieurverbände, die Hochschulrektorenkonferenz, wie auch einige Bundesländer sehen hier große Probleme, da künftig Titel vergeben werden, die so tun, als ob es akademische Ausbildungen seien. Leider ist der Protest vergebens.

Dezember

Aus Thüringen kommt die Nachricht, dass zur Nachwuchsgewinnung die Etablierung eines Geodäsie-Studiengangs erwogen wird. Dazu gebe es erste Kontakte mit der Fachhochschule in Erfurt, heißt es bei dpa. Und zum Schluss noch etwas Besonderes: Der Brite Anthony Hoyte zeichnet seine Fahrradrouten per GPS auf und veröffentlicht diese anschließend im Internet. Auf Twitter veröffentlichte er nun sein neues selbst geradeltes Winterkunstwerk, bei dem er neun Stunden lang rund 127 Kilometer durch und um die britische Hauptstadt fuhr. Das Ergebnis ist ein Rentier mit riesigem Geweih. Und das ist im tatsächlichen Wortsinn völlig abgefahren, findet

Ihr
Wilfried Grunau

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