Das Jahr 2025 beginnt an einem Mittwoch – und endet wieder an einem Mittwoch. Ganz unspektakulär? Weit gefehlt: Krieg, Klimawandel, Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, ein Papst mit Mathematikstudium und ein neuer Kanzler sorgen für Aufregung. Das Wort des Jahres „KI-Ära“ zeigt, dass uns die Künstliche Intelligenz voll im Griff hat, das Jugendwort „das crazy“ fasst unsere kollektive Sprachlosigkeit perfekt zusammen – und was die Geodäsie bewegt, lesen Sie am besten selbst.
Januar
Das Jahr startet für den VDV gleich energisch: Am 3. Januar empfängt Köln die Mitglieder zum Neujahrsempfang – keineswegs sprachlos, sondern voller Austausch und Pläne. In der Folge treffen sich VDVler am 7. Januar in Bielefeld, am 8. in Wuppertal und am 9. in Oldenburg, Hamburg, Dortmund und Haltern am See – nur die ersten von zahlreichen weiteren fachlichen und geselligen Terminen im Jahr. Traditionell findet auch das Spitzengespräch der Präsidenten von BDVI, DVW und VDV statt, diesmal unter anderem mit einem viel diskutierten Positionspapier zur Gebäudeeinmessung und der Nachwuchskampagne #Weltvermesserer auf der Agenda. Besonders bemerkenswert: In der Januarausgabe des Ostfrieslandmagazins wird im Kreuzworträtsel nach dem Namen des VDV-Präsidenten gefragt – eine schöne Anerkennung seines Engagements.
Februar
Die (alte) Bundesregierung legt ihren zweiten Fortschritts- und Evaluierungsbericht zur Bereitstellung offener Daten vor. Ergebnis: Viele Bundesbehörden erfüllen ihre Open-Data-Pflichten weiterhin nur unzureichend – offene Daten sind noch immer eher Ausnahme als Standard. In Frankfurt treffen sich die Präsidenten aller Geoverbände – von den Geodäten über Markscheider, Kartographen, Hydrographen und Photogrammeter bis hin zur Geoinformationswirtschaft – um gemeinsame Leitlinien abzustimmen. Im Mittelpunkt stehen nicht nur der wachsende Nachwuchsmangel, sondern auch ein koordiniertes Auftreten gegenüber der Politik. Ein Beispiel hierfür ist das gemeinsame Positionspapier zur Bundestagswahl, das unter dem Motto „Geoinformation als Schlüssel für eine zukunftsfähige Gesellschaft“ eine klare politische Botschaft setzt und in Übereinstimmung mit den Open-Data-Zielen auch eine bessere Zugänglichkeit, Interoperabilität und Nutzung öffentlicher Daten fordert. Anders gesagt: die neue Regierung muss hier endlich Tempo machen.
März
Neues beginnt, anderes endet: Im März öffnet der VDV den Maschinenraum seines VDVmagazins und gibt mit seinem ersten Podcast Einblick, wer hinter der Fachzeitschrift steht, wie relevante Fachbeiträge entstehen und wie es gelingt, Ausgabe für Ausgabe am Puls der Zeit zu bleiben. Gleichzeitig schließt sich ein Kapitel der Weltraumvermessung, denn am 27. März versetzt die ESA das Weltraumteleskop Gaia, das seit 2013 die Milchstraße kartiert, mit einem letzten Befehl in den endgültigen Ruhezustand. Längst Geschichte sind auch die US-amerikanischen „Keyhole“-Spionagesatelliten aus dem Jahr 1965 – ihre einst streng geheimen Aufnahmen aus der Zeit des Kalten Krieges erleben nun eine zweite Karriere: Das Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN) präsentiert sie auf der Leipziger Buchmesse und macht sie über das Geoportal Sachsenatlas öffentlich zugänglich. Spionage at its best – mit historischem Mehrwert.
April
Hamburgs Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen erhält für den im Projekt Connected Urban Twins entwickelten 3D-Projektplaner in Madrid den Geospatial World Excellence Award und unterstreicht damit die internationale Bedeutung digitaler Stadtplanung. Zugleich denkt ein Impulspapier den „Digitalen Zwilling des Staates“ als Werkzeug, das Verwaltung transparenter, planbarer und besser steuerbar macht. Und auch der Blick zurück gehört dazu: Der Start des fußballgroßen Mini-Satelliten GFZ-1 jährt sich zum 30. Mal – der „Space-Trabi“ markierte als erste Mission des GFZ den Beginn der satellitengestützten Forschung, zwar nur 4 Jahre im Orbit, aber wegweisend bis heute.
Mai
Globaler Austausch und messbarer Wandel: Beim International Student Geodetic Meeting (IGSM) in Marokkos Hauptstadt Rabat vernetzt sich der geodätische Nachwuchs über Länder- und Kulturgrenzen hinweg – ein Signal internationaler Zusammenarbeit in bewegten Zeiten. Parallel dazu zeigt die Geodäsie ihre Messkraft: In Südafrika heben sich Landmassen infolge anhaltender Dürren und Wasserverluste regional um bis zu zwei Millimeter pro Jahr. Grund ist der Klimawandel, nicht die Tektonik. Wandel wird sichtbar – lokal wie global.
Juni
Mit einem neuen Reallabor im Rheinischen Revier eröffnet die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien Wege zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung und setzt ein Zeichen für den Strukturwandel vom Kohle- zum Wärmebergbau. In Brandenburg geht derweil die Verwaltung einen digitalen Schritt nach vorn: Das neue Auskunfts- und Katasterportal DAKAPO ermöglicht einen schnellen landesweiten Zugriff auf rund 3,1 Millionen Flurstücke. Und ein leiser Moment des Innehaltens: Der VDV und sein BILDUNGSWERK nehmen Abschied von Volker Schultheiß, einem lieben Freund und engagierten und geschätzten Kollegen, der viel zu früh verstirbt.
Juli
Die Bundesregierung bringt den Bau-Turbo ein. Es wird nur rund 3 Monate dauern, bis das Gesetz mit weitreichenden Folgen für die Baupraxis in Deutschland in Kraft treten wird. Im Mittelpunkt stehen Abweichungen vom Bauplanungsrecht sowie die Ausweitung der Befreiungsmöglichkeiten zugunsten des Wohnungsbaus. Nicht minder rasant: Kaum ist generative KI im Alltag angekommen, kündigt sich mit Spatial Intelligence und Large World Models bereits die nächste Entwicklungsstufe an, die reale Räume digital verstehen, simulieren und nutzbar machen soll. Für Geodäsie und Geoinformatik eröffnet das enorme Chancen – macht aber zugleich deutlich, dass Datenqualität und Verantwortung zum entscheidenden Engpass werden.
August
Ein prägnanter Anwendungsfall zeigt sich im Projekt DIGINET-PS: In einem Berliner Testfeld reagiert adaptive Straßenbeleuchtung erstmals dynamisch auf das tatsächliche Verkehrsgeschehen und erhöht so die Sicherheit und Kontextsensitivität autonomer Systeme. Möglich wird dies durch intelligente Sensorik und digitale Zwillinge – Geodäsie rückt damit ins Zentrum vernetzter Mobilität und der Frage, wie weit Technik künftig unsere Umwelt steuert.
September
Einem Forscherteam der TUM und der Uni Bonn ist es gelungen, die winzigen Schwankungen der Erdachse erstmals mit einem hochpräzisen Ringlaser am geodätischen Observatorium Wettzell zu messen – bisher nur mit aufwändiger Radioastronomie möglich und ein Meilenstein für Präzisionsgeodäsie und das Verständnis der Erdbewegung. Mit einer zehnfachen Steigerung von Genauigkeit und Stabilität könnte in der Zukunft sogar die Raum-Zeit-Verzerrung durch die Erdrotation erfasst werden, ein direkter Test der Relativitätstheorie und des Lense-Thirring-Effekts an der Erdoberfläche. Während die Erde präzise messbar durchs All eiert, eilen die Vermessungsprofis des VDV Sachsen-Anhalt nach Biederitz, um auf irdischem Terrain über BIM, Berufspolitik und die Praxis der Vermessung zu debattieren – weniger kosmisch, aber mindestens ebenso relevant.
Oktober
Kaum haben sich die Geodäten vom kosmischen Eiertanz der Erde erholt, setzt die Smart Country Convention in Berlin den Fokus auf digitale Bodenständigkeit: Über 23.000 Teilnehmer erleben Smart Cities, KI-gestützte Verwaltung und vernetzte Dienste. Kurz darauf folgt in Frankfurt das geodätische Branchenevent des Jahres: die INTERGEO. Hier ist das ehrenamtliche VDV-Team überall dort präsent, wo es lebendig wird – am Messestand ebenso wie als Redaktionsteam mittendrin. Und während Messe und Kongress Impulse zu Geo‑KI, Datensouveränität und Reality Capturing liefern, zeigt der VDV einmal mehr, dass Fachkompetenz, Engagement und Gemeinschaft die Branche tragen.
November
Am 10. November führt VDV-/ZBI-Präsident Wilfried Grunau im Bundeskanzleramt ein intensives Gespräch über Strategien für klimaresiliente Städte und Gemeinden. Es wird einmal mehr deutlich, dass Geoinformation der digitale Rohstoff der Stunde ist: Nur mit verlässlicher Geodateninfrastruktur, offenen Daten, nachhaltigem Datenmanagement und gestärkter kommunaler Datenkompetenz lassen sich Klimaresilienz, Energiewende, Mobilität und Katastrophenschutz wirksam gestalten – kurzum: wer die Geodaten beherrscht, formt die Zukunft. Bereits wenige Tage zuvor leitet Grunau im Deutschen Bundestag die Sitzung des ZBI-Hauptvorstandes, auf deren Agenda Bürokratieabbau, effizientere Verwaltungsprozesse und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren stehen – alles Schritte, die spürbare Fortschritte bringen und die Arbeit der Ingenieure stärken. Berufsständisch betrachtet ist der November damit ein echtes Highlight der VDV-Arbeit. Ein weiterer Höhepunkt: DHBW-Präsidentin Martina Klärle wird mit dem GOLDENEN LOT ausgezeichnet, der wohl bedeutendsten Ehrung im Bereich Geodäsie und Geoinformatik. Als Geodätin und Umweltwissenschaftlerin steht Klärle für die nachhaltige Nutzung von Daten und Technologien, als Hochschulmanagerin gestaltet sie mit Weitblick und Engagement die Ausbildung der kommenden Generationen – ein Vorbild für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen.
Dezember
Im Dezember lässt der VDV das Jahr auf ganz unterschiedliche Weise ausklingen: Bei Weihnachtsmarkt-Treffen, Stammtischen, Kolloquien und Besichtigungen wird gefachsimpelt, diskutiert, genetzwerkt und über künftige Projekte gesprochen – ein lebendiger Abschluss eines ereignisreichen Jahres. Und zum Tag des Ehrenamtes richtet VDV- und ZBI-Präsident Wilfried Grunau seinen ganz persönlichen Dank an alle ehrenamtlich engagierten Mitglieder: „Euer ehrenamtliches Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Ihr bringt eure Zeit, eure Erfahrung und eure Leidenschaft ein, um unseren Berufsstand voranzubringen – in Landesverbänden und Bezirken, in Fachgruppen, Projekten und überall dort, wo ihr eure Expertise einsetzt. Dieses familiäre Miteinander, dieses Füreinander, macht unsere Ingenieurverbände so besonders und lebendig. Als VDV- und ZBI-Präsident erfüllt es mich mit großer Dankbarkeit und auch mit Stolz, Menschen wie euch an meiner Seite zu wissen. Danke, dass ihr euch einbringt. Danke, dass ihr den VDV und ZBI so aktiv mitgestaltet. Danke, dass ihr den Unterschied macht!“
Wilfried Grunau