New Work: Buzzword oder Notwendigkeit?

Zugegeben, man hätte die Überschrift selbstverständlich auch mit weniger Anglizismen ausdrücken können, allein: es klingt (scheinbar) nach mehr Veränderung als einfach nur „Arbeit 4.0: Schlagwort oder Notwendigkeit“ – und „hipp“ (noch so ein Modewort) wäre es auch nicht…

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Eine der größten Veränderungen der aktuellen Zeit betrifft die Art und Weise, wie Menschen ihre Arbeit künftig verrichten wollen[1]. Die Pandemie war hier sicherlich ein Katalysator, ein Beschleuniger von Entwicklungen, die bereits im Gange waren. Aktuell geht der Trend hin zu so genannten hybriden Arbeitsmodellen – also einem Mix aus Arbeiten im Büro und im Homeoffice. Mitarbeiter und Teams wollen bzw. müssen heutzutage flexibel sein in der Zusammenarbeit sowie der Gestaltung ihres Arbeitstages und fordern dies auch immer mehr ein. New Work[2] ist in diesem Kontext eines der alles beherrschenden Schlagwörter. Arbeitgeber, die auf der Suche nach Talenten sind, wissen, dass sie durch das Angebot von Flexibilität für potenzielle Mitarbeiter attraktiver werden können. Und vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und dem damit verbundenen Wettbewerb um die besten Talente ist das sicherlich ein wesentlicher Benefit, der die Attraktivität eines Arbeitgebers maßgeblich mitbestimmt.

Die Herausforderung lautet also, hybride Arbeitsmodelle zu finden, die Sinn machen. Und genau da liegt das Problem, denn viele Manager – und übrigens auch Personalräte – sehen überwiegend nur zwei Variablen: Tage im Homeoffice sowie Tage im Büro. Also lautet die meistgestellte Frage dann auch fast immer: „Wie viele Tage sollen die Mitarbeiter ins Büro kommen?“ Genau das aber ist die falsche Frage. Richtiger wäre es, die Frage zu stellen, welche Ziele das Unternehmen erreichen will und wie hybrides Arbeiten dabei helfen kann. Und welche Ziele haben Unternehmen im Allgemeinen? Meist möchten sie produktiver, effizienter, kundenfreundlicher oder innovativer werden oder gleich alles zusammen. Und dafür braucht es motivierte Mitarbeitende, die ihr Potenzial entfalten können, indem sie neue Wege finden, Kundenbedarfe besser zu verstehen, oder auch Standardarbeiten schneller zu erledigen. Will also ein Unternehmen den Arbeitserfolg über den Arbeitsort optimieren, so macht es keinen Sinn, ganz bürokratisch eine pauschale Regelung festzulegen. Und natürlich gibt es auch Studien, die ein solches Vorgehen bestätigen[3] [4]. Die Varianz an Arbeitsorten, Arbeitsmodi und Persönlichkeitstypen eröffnet für Unternehmen, Führungskräfte und Teams ganz neue Hebel zur Selbstorganisation, Potenzialentfaltung und Leistungssteigerung, die in der Vergangenheit nur selten eine Rolle spielten.

So weit, so gut. Und wie sieht das nun im Bereich der Geodäsie und Geoinformatik aus? Die typische Antwort: das kommt ganz darauf an. Den klassischen Außendienst, also das Messen vor Ort, können wir bei dieser Betrachtung wahrscheinlich etwas außen vor lassen: hochmoderne Sensorik und neueste Technik stehen bereits für ein völlig anderes Arbeiten als noch vor einigen Jahren. Aber was ist mit dem klassischen Innendienst? Fakt ist: Die Digitalisierung und Flexibilisierung haben unsere Arbeitswelt auch hier bereits enorm verändert. Prozesse, die früher mit viel Aufwand verbunden waren, laufen nun automatisch. Die Vernetzung der Mitarbeiter ist erheblich einfacher, standortübergreifende Zusammenarbeit auch kein Problem. Was die Arbeitsumgebungen in Unternehmen und Behörden selbst angeht, wird sich das Arbeiten also verändern, die Frage ist nur noch, in welchem Maße und in welchem Tempo. Hier ist in einigen Fällen sicherlich noch Luft nach oben. Die Geodäsie gehört aber eindeutig zu den Berufsfeldern, die in hohem Maße darauf abzielen, Neues zu schaffen und Innovationen hervorzubringen. Typischerweise gehen mit diesen kreativen Tätigkeiten auch neue Arbeitsformen einher, wie beispielsweise interdisziplinäres und flexibles Arbeiten. Das Zusammenspiel aus Mensch, Raum und Technologie spielt bei dem Arbeitsplatz der Zukunft also eine große Rolle. Geodäten werden bei diesem Prozess ganz vorne dabei sein.

Bundeskanzlerin Merkel hat – allerdings in einem völlig anderen Kontext – den Ausspruch „Wir schaffen das!“ geprägt. Das dürfte aber gleichwohl auch für die Gestaltung des „New Work“ nach Corona gelten. Eventuell täte uns dafür ein klein wenig mehr Pragmatismus und Flexibilität gut – anstelle der Deutschen Gründlichkeit. Aber das ist ein Thema für ein anderes Editorial, meint Ihr

Wilfried Grunau


[1] Markus Väth (2016): Arbeit – die schönste Nebensache der Welt: Wie New Work unsere Arbeitswelt revolutioniert.

[2] Frithjof Bergmann (2004): Neue Arbeit, Neue Kultur.

[3] Pfnür, Gauger, Bachtal & Wagner (2021): Homeoffice im Interessenkonflikt. Ergebnisbericht einer empirischen Studie. TU Darmstadt.

[4] DAK-Gesundheit (2020): Digitalisierung und Homeoffice in der Corona-Krise. Sonderanalyse zur Situation in der Arbeitswelt vor und während der Pandemie